Montag, 10. April 2017

Über die Ernsthaftigkeit der Stille und die Großzügigkeit der Worte…
…könnte man viel sagen.
Aber womöglich ist alles, was es darüber zu sagen gibt, überflüssig.

Das Innehalten ist momentan nicht sehr in Mode.
Denn wenn man es tut  - innehalten - dann doch möglichst "laut".
Angekündigt, kommentiert, herausgestrichen.
Mit regelmäßigen Updates via Social Media.

Eine ewige Selbstbespiegelung, immer hungrig nach likes und retweets.

Wer ist man, wenn es niemanden gibt, der die "eigene" Meinung und Ansichten teilt, bestätigt, vervielfacht?
Es lebe das Echo aus der Meinungsblase.
Je lauter es ist, desto selbstverliebter darf man sein, ist die "eigene", zur Schau gestellte Ansicht doch "Trend".
Je mehr Follower, desto wichtiger darf man sich nehmen, denn desto mehr vertritt man, was doch "alle" sagen.

Scheiße ist toll! Millionen von Fliegen können nicht irren.

Wer sind Alle?  

Wie oft wird unreflektiert genickt, weitergeleitet, geliked?
Und wie übergroß ist die eigene Unsicherheit und Angst, nicht mitzuschwimmen im Schwarm?
Nicht dem neuesten Trend zu folgen, dem neuesten Meinungsumschwung…

#Schwarm.

So ein schwärmender Schwarm kann wie ein Wesen mit hunderten Mündern sein, die über einen vermeintlichen Feind
(wer nicht mit uns ist, ist gegen uns)
herfallen und ihn zerfleischen.

#Shitstorm.

In einer Gruppe steigt dann wieder die Anonymität.

Man fühlt sich wohl im Schwarm, sicher, weil stark.
Sicher, weil unsichtbar als Individuum.

Schließlich ist man nicht allein mit seiner Meinung.
Die hat plötzlich Gewicht bekommen.
Das Gewicht der Menge, das Gewicht der Masse.
Großzügig teilt man sie, die eigene Meinung.

Vor allem im Schwarm.

Und dann genügt schon ein Funke...ein Zeichen der Schwäche ...
(Aber wer nicht im Schwarm ist, ist ja ohnehin schwach, weil allein.)

… und schon kommt er über jemanden, der shitstorm.

Steinigung 2.0






Sonntag, 23. Dezember 2012

Filme für Weihnachten - ein paar Empfehlungen

Was sieht man sich so an zuhause, um mit Weihnachten fertig zu werden?

Für Menschen, die Geschwister haben und den dazugehörigen Spannungsfeldern innerhalb der Familie empfehle ich
"The Lion in Winter" mit Peter O'Toole und Katharine Hepburn.
Irgendwie haben sie einander ja alle lieb, trotzdem geht es ständig darum, wer Mamas oder eben Papas Liebling ist, wer sich zu wenig wahrgenommen fühlt und wer das größte Stück vom Kuchen kriegt.
Ständige Revierstreitigkeiten also, und das zu Weihnachten, zwischen den Eltern genauso wie zwischen den Geschwistern.
Dauernd werden neue Allianzen geschmiedet und genauso rasch wieder gegen neue, vielversprechendere Pakte getauscht. Beziehungspartner von außerhalb (in diesem Fall die junge Alais, als auch König Philipp von Frankreich) werden genauso eingespannt in das Intrigenspiel, und letztlich kämpft jeder ohnehin nur für seine Sache. Wenn man genau hinguckt, so geht es nur bedingt um den Thron und um Ländereien. In Wirklichkeit geht es nur um Liebe und Anerkennung durch die Familie.
Fast wie in der "normalen Durchschnittsfamilie" eben auch.
[die Verfilmung des selben Stoffes mit Glenn Close und Patrick Stewart ist leider nicht ganz so toll]


Die friedlichere Variante eines dräuenden Familiendramas ist da schon die "Familie Stone" mit dem Zusatztitel "Verloben verboten".
Natürlich geht letztlich alles gut aus (ist schließlich ein US-Film), und neben viel Romantik gibt es viele humoristische Einlagen. Trotzdem kommen auch ernstere Töne durch. Wie sehr die Kinder versuchen, den Ansprüchen der Eltern (ob nun ausgesprochen oder nicht) gerecht zu werden. Und zu welchen Fehlleistungen das führen kann. Und auch hier wieder: viele Geschwister, inklusive der daraus entstehenden Reibereien.

Wer es ein wenig britischer (und nicht so zwanghaft happy-ending) haben will, dem empfehle ich "Tatsächlich ... Liebe".
Nicht jede der angerissenen Love-Stories geht im Sinne der Protagonisten gut aus. Dennoch ist der Grundtenor ein liebevoller, und wie die einzelnen Helden mit ihren persönlichen Geschichten umgehen, ist herzerwärmend. Bill Nighy, der als alternder Rockstar seine Wette einlöst, ist ohnehin der Hit!

Wem das zu wehmütig-romantisch ist, der kann sich in die Welt der Fantasy flüchten und gibt sich Terry Pratchetts "Hogfather".
Viel Weihnachtsrituale und -mythen werden hier liebevoll verdreht dargestellt und teils auch hinterfragt. Die Philosophie kommt auch nicht zu kurz.
Und der Tod als Stand-in für den abwesenden "Weihnachtsmann" ist absolut sehenswert!








Sonntag, 4. November 2012

Mittwoch, 31. Oktober 2012

die neuen Heros


Uff! Da ist er wieder, der Ruf nach der starken Hand, wenn auch nach einer "gemässigten" Diktatur gerufen wurde. 
Danke, Herr Baumgartner. 
Vom Himmel gestürzt, über Worte gestolpert und dann irgendwie auf die Nase gefallen?

Es ist der Idee der Diktatur immanent, nicht gemässigt, sondern unnachgiebig zu sein. Und, wie die Geschichte zeigt, haben die meisten Diktatoren neueren Datums (also nach Christus ...ist ja eh weit gesteckt, dieser Zeitrahmen) dem süßen Geschmack des "being in command" freiwillig nicht wieder entsagen können. Warum wohl?
Vielleicht weil "Macht korrumpiert. Absolute Macht korrumpiert absolut" (Zitat Acton) ?

Dabei gab es Zeiten, wo das "System Diktator" angeblich geklappt hat - ist nur verdammt lange her.
Ein Diktator wurde im alten Rom (Zeitrechnung: VOR Christus) immer nur für eine bestimme Zeitspanne in Verbindung mit einem bestimmten, vordefinierten Zweck eingesetzt (und es gab auch noch ein paar andere Auflagen).  
So wie er seine Aufgaben erledigt hatte, hatte er sein Amt zurückzulegen.
Wenn man der römischen Geschichtsschreibung glauben schenken mag, so ging das viele hundert Jahre ziemlich gut. 
Dann kam Julius Caesar, und dem schmeckte die Macht so gut, dass er beschloss, sie nicht mehr abzugeben. Ende der res publica mit ihren altrömischen Diktatoren. Danach gab es Kaiser.

Also, ja, im sehr strengen altrömischen Sinne wäre eine Diktatur zur flotten Behebung verschiedener unerwünschter Zustände vielleicht sinnvoll. Aber uns fehlen mittlerweile ein Verständnis für den Dienst an der Allgemeinheit und andere Tugenden, wie Selbstdisziplin, Mäßigung, et al.
Wüßten Sie ernsthaft jemanden, der brav den Diktator geben würde, und nachdem er den "Stall des Augias" ausgemistet hat, bescheiden wieder "ins Glied zurücktritt", ohne sich in der Zwischenzeit zu bereichern oder auf andere Art und Weise in seinem persönlichen Wohle zu agieren? (besagter Stall des Augias war übrigens kein Sau-Stall, sondern ein Kuh-Stall. Aber das tut hier nix zur Sache)
Und jetzt mal ganz ehrlich: Würden Sie für sich selbst die Hand ins Feuer legen? Ganz, ganz sicher?? Na eben!

Nebstbei hat besagter Wolkenspringer auch gemeint, er versteuere lieber in der Schweiz, weil man sich da mit dem Finanzminister einigen könne (Quelle Kronenzeitung,  die Kolumne eines Altgedienten). Ist nicht der "Onkel aus Canada", der sich jetzt an Österreichs Politik versucht, auch jemand, der nicht in Österreich versteuert, weil er da womöglich zuviel abgeben müsste?


Und DAS sind unsere Heros hier in Österreich? Ja gehts noch??

(Wo ist eigentlich Bruno Kreisky, wenn man ihn braucht? Sein Satz: "Lernen Sie Geschichte!" hätte hier wunderbar gepasst.)


Sonntag, 3. Juni 2012

Keimzellen-Pflege oder wie retten wir (diesmal) die Welt

Nicht nur weil 2012 ist und irgendwelche Maya-Kalender in diesem Jahr enden (irgendwann müssen sie ja enden, oder? wir kaufen doch auch Ende Dezember/Anfang Jänner einen Neuen, ohne deswegen an den Weltuntergang zu denken) mal ein paar Worte zum Thema Weltrettung et aliter.

Immer wieder gibt es den Aufruf zur Rettung der Welt. Wenn man aber genauer hinguckt, dann fällt dabei auf, dass es dabei weniger um die Rettung des Planeten Erde geht, sondern um eine seiner unglaublich vielen Spezies, nämlich des Menschen.
Ist Welt = Menschheit??
Nö, eher nicht.
Aber es ist sehr auffällig, dass in allen diesen Weltuntergangs-Umweltkatastrophen-Szenarien immer darum geht, dass es dem Menschen danach schlechter gehen könnte. (und "schlechter" meint damit fast immer: der persönliche Lebensstil ist in Gefahr)

Womöglich würden wir sogar aussterben (fragt sich nur, wen das - außer den Menschen, verständlicherweise - kümmern würde? Der Erde ist das sicher einerlei).

Beliebte Topics sind Nahrungsmittelversorgung, Überbevölkerung, Völkerwanderung, Anstieg des Meeresspiegels, Krieg, Atomwaffen, Kernenergie, etc...
Die Liste könnte noch einen ganze Weile fortgesetzt werden.
Dazu gibt es verschieden utopisch-kreative bis radikal-faschistoide Lösungsvorschläge, auf die ich hier auch nicht näher eingehen möchte.

Nur so viel:
Einiges davon hat die Menschheit schon vor langer Zeit erfunden und teils auch lokal schon ausprobiert - mit gelinde gesagt äußerst mäßigem Erfolg, trotz (oder wegen?) bester Absichten und hingebungsvollen Bemühens.

Wem gerade nix einfällt zu dem Thema, dem sei mit ein paar Stichwörtern flugs auf die gedanklichen Beine geholfen:
Kommunismus (oder auch utopischer Sozialismus),
Ein-Kind-Politik in Asien,
die "Insel Utopia" des Thomas Morus,
Tolstoi mit seinen Ideen vom einfachen Leben,
Platons "Timaios",
die Kommunen der 68er Bewegungen
und sicher noch vieles mehr, über das ich nichts weiß und wovon ich noch nichts gehört habe.

Ihnen allen zu eigen ist, dass sie nicht funktioniert haben.
Das ist traurig (manchmal mehr, manchmal weniger) aber wahr.

Sie alle haben im Grunde einen gleichberechtigten Menschen angestrebt, frei von persönlichem Besitz, mit einer inneren Grundethik und einem basalen Grundverständnis für die Anliegen und Bedürfnisse der Mitglieder ihrer Gesellschaft ausgerüstet.
Frei von Gier, Neid, Aggression, Eifersucht, etc (eine vollständige Liste aller Untugenden findet man unter "sieben Todsünden") gilt das Streben des Einzelnen einem harmonischen Zusammenleben, und das nicht nur innerhalb der Gemeinschaft sondern auch mit der Umwelt im Großen und Ganzen.

Gut so! Schön ist das! ...und erstrebenswert dazu.
Wenn man sich die Geschichte der Menschheit so ansieht, dann ist leicht zu erkennen, dass wir schon seit Jahrtausenden danach streben, und uns immer neue Lebensmodelle (und Religionen) dazu einfallen lassen, um dem Wunschbild nahe zu kommen.

Es sei hiermit vorweg genommen, dass auch ich keine Patentlösung anzubieten habe.
Die Gesellschaft hat immer gerade das System am Hals, das sie verdient. Und keines ist wirklich gut. Von der friedlichen Utopie, wo jeder hat was er braucht und alle zufrieden sind, sind wir immer noch Lichtjahre entfernt.

Mir fällt nur eines auf bei all den mehr oder minder utopischen/realistischen/unrealistischen Zukunftskonzepten:
Es sind immer sehr großzügige Entwürfe, die gleich ganze Städte neu entwerfen oder ganze Gesellschaften neu strukturieren. In Bausch und Bogen wird neu geordnet, gewachsene Struktur einfach mal ausradiert. Neue Werte und Parameter werden gesetzt.

Um solche groß angelegten Ideen angemessen rasch (nicht erst im Laufe von Jahrhunderten) zu realisieren bräuchte es ein Anordnen "von oben".
So etwas nennt man Diktatur, Faschismus, etc. Kennen wir leider aus der Geschichte zur Genüge.

Oder es braucht ein "Globales Erwachen" - dem irgendwie eine globale Amnesie voranzugehen hätte, um all die Hickhacks und Auseinandersetzungen der Vergangenheiten flugs zu vergessen für einen unbelasteten Neubeginn. Damit alle zur gleichen Zeit das Gleiche gutheißen und mitanpacken.
Verkürzt gesagt, eine Art "Global Brainwashing".

Variante eins (die Verordnung von "oben") ist wenig erstrebenswert.
Variante zwei (das globale Umdenken) ist höchst unrealistisch (und im Falle eines "Brainwashings" auch nicht toll)

Was übersehen (oder vielleicht auch nur ignoriert) wird in diesen "tabula rasa"-Modellen ist die Tatsache, dass wir für so ein friedvolles, konstruktives globales Miteinander

a) viel zu viele Menschen sind.
Nicht, weil die Natur nicht so viele von uns durchfüttern könnte. Sie tut es ja bereits mehr oder weniger gut.
Nein, sondern weil wir viel zu eng beieinander leben und uns gegenseitig dabei mächtig auf die Nerven gehen! Da reden wir zivilisierten möchte-gern-Gutmenschen dann von gelebter Toleranz, was aber schwierig ist, wenn man dicht gepackt in Gemeindebauten haust und der Nachbar lärmt, wo man grad seine Ruhe haben will. Oder wir uns wiedermal im Auto zur Arbeit stauen Oder dichtgedrängt im Zug stehen. "Seid fruchtbar und mehret euch" ist nach hinten losgegangen. Zuviel Stress innerhalb einer Population führt zu Futterneid und Aggression gegenüber Artgenossen. Wer es nicht glaubt, der lerne ein wenig Biologie.

b) die Keimzelle aller potentieller gelebter Harmonie, aber eben auch allen tatsächlich vorhandenen Übels immer noch die Familie ist.
Hier geht es nicht um Schuldzuweisungen irgendwelcher Art, sondern einfach um die Tatsache, dass die Familie die kleinste Einheit von zwischenmenschlichem Miteinander darstellt. Hier lernen wir zu allererst, wie man miteinander umgeht - im Guten wie im Bösen. (und weil es wichtig ist: Familie meint nicht zwingend Mama-Papa-Kind)
Was dabei herauskommt - global betrachtet - das können wir täglich im Fernsehen sehen, in den Zeitungen lesen oder im Internet studieren.

Solange wir nicht echten Frieden in der "Keimzelle des Staates" zusammenbringen, solange wird es keine Frieden im Großen geben, egal, wie wunderbar und elegant die Konzepte diverser Visionäre dazu aussehen mögen.
Solange es heißt "Wir gegen die Anderen", solange diese Abgrenzung von Werten verbunden mit einem "Gut versus Böse" existiert, solange wird das nix mit dem Weltfrieden.
Und, wie es aussieht, sind wir dafür einfach noch nicht reif. Noch sehr lange nicht, schätze ich.

Aber jeder einzelne kann und soll natürlich das Seine dazu tun, um einen psychisch gesunden Menschen aus sich zu machen, frei von Bewertungen, frei von emotionalen Abhängigkeiten und damit endlich frei für Entscheidungen, die zum Wohle aller Anwesenden auf diesem Planeten sind (das schließt Menschen durchaus mit ein).
Dazu braucht es keinen Guru, keine Religionen, und keine Dogmen.
Die Bearbeitung und Auflösung der persönlich erlittenen Traumen würde dazu schon reichen. Davon haben wir alle mehr als genug (sonst hätten die Zeitungen nichts zu schreiben, und die Polizei und Gerichte nichts zu tun). Damit haben wir auch alle schon ein üppiges Arbeitspensum für unser Leben vor uns. Das sollte uns eine Weile beschäftigen und den Blick auf das Wesentliche lenken. (weg vom "Unwesentlichen", 'mal wieder die Welt zu retten.)

Was uns dazu noch in weitem Maße fehlt sind:
Mut zur Selbsterkenntnis (die tut oft weh)
Wille zur Veränderung (das geht immer zuerst 'mal gegen die Bequemlichkeit, schließlich haben wir uns mit unseren Verletzungen arrangiert und damit unser aktuelles Überleben in unserer Gesellschaft sichergestellt)
mehr gut ausgebildete Traumatherapeuten
die Mittel und die Zeit, deren Hilfe auch in Anspruch nehmen zu können

...für ein gesünderes Miteinander.

Und ganz zum Abschluss noch: wenn die Menschheit einmal ausstirbt, ist auch nix verhackt.
Die Trilobiten waren mal Könige der Erde, viele Zehntausend, Hunderttausend, Millionen Jahre lang. Heute gibt's kein einziges lebendes Exemplar mehr. Niemanden kümmert das wirklich.
Und die Dinosaurier sind ja vielen ein Begriff. Ebenfalls fort und dahin. Keiner mehr übrig.
Wir werden auch irgendwann aussterben, ob nun aus eigenem Verschulden oder halt wegen anderer widriger Umstände. Na wenn schon!
Wir nehmen uns ohnehin viel zu wichtig, so als Spezies.













Sonntag, 11. März 2012

Zusatz Familie

Es ist zum vorangegangenen Blog-Eintrag noch anzumerken, dass ich meine Familie schätze und liebe (und weiß und mir sicher sein kann, dass ich von ihr geschätzt und geliebt werde - auch wenn das nicht immer alle zeigen können/wollen).

Unterstützung und Rückhalt ist da.
Unbedingt und bedingungslos (wenns auch nicht immer gleich danach aussieht).
Bei weltlichen Gütern ist es leichter zu erkennen. Offen gezeigte Anteilnahme und Liebe sind dafür nicht immer und bei allem Gelegenheiten sofort offensichtlich (obwohl im Grunde ihrer aller Herzen unter Garantie vorhanden).

Da steht das eine oder andere Ego manchmal im Wege (ich nehme mich selbst dabei gar nicht aus), und dann wird wieder laut und dramatisch Theater gespielt.
Meistens die selben Stücke.

Und bei "Offiziellen und/oder/auch außerhäusigen innergemeinschaftlichen Gelegenheiten" ist das mitunter schlichtweg eine Plage.

Sei hiermit nur mal so angemerkt.

...und da ist diese Familie wohl nicht so anderes wie andere Familien.

Bussis

Samstag, 10. März 2012

Familienessen. Oder: Im nächsten Leben möchte ich eine Alarmanlage sein.

Es geht doch nichts über Familie. Ab und an kommt es auch zum Essen im Familienverband. Zum Beispiel anlässlich des Geburtstages eines Familienmitgliedes. 
Meines in diesem Falle.
(Nun werden Sie sich fragen, was das nun mit meinem oben geäußerten Wunsch als eine Alarmanlage zu inkarnieren zu tun hat. Kommt noch, nur Geduld. Und Geduld braucht man ohnehin in familiären Dingen. Ganz besonders bei zu zelebrierenden Festivitäten und der dabei erfolgenden Aggregation von miteinander verwandten Personen.)

Beginnen wir bei der Planung:

Aufgabe: 4 (in Worten: vier) Personen suchen einen Termin, an dem alle können bzw können wollen in einem Speiselokal.

Zusatz: 3 (in Worten: drei) Personen gehen dabei keiner geregelten Arbeit (mehr) nach.

Wir haben also:
1 Person Vollzeit, Mo-Do 9-17, Fr 9-15:30 werktätig. (Meine Wenigkeit. Eigentlich das zentrale Element dieser Veranstaltung. Offiziell sollte mein Geburtstag bei einem gemeinsamen Essen auswärts gefeiert werden.)
1 Studentin mit den dazupassenden on/off Jobs in Geringfügiger Beschäftigung
1 Pensionist mit einem 1/0-Ernährungsplan (ein Tag Fasten, ein Tag Essen)
1 Ehefrau eines Pensionisten mit einer zeitweilig anfallenden Selbstständigen Tätigkeit

Naiverweise könnte man jetzt annehmen, man werde sich nach Möglichkeit nach den terminlichen Wünschen der Jubilarin richten. Noch dazu wo diese in einem Fulltime-Job die einzige in der Runde ist, die regelmäßig morgens früh aufstehen muß, und daher eine Termin am Ende der Woche begrüßen würde, da es sich nach einem Schlemmer-Abend morgens nicht so leicht aufsteht.

Weit gefehlt!
Das Zünglein an der Waage war die Studentin, die ihre Freitag- und Samstagabende nicht der Familie opfern wollte, und daher auf einem Termin unter der Woche bestanden hat.
(Wenn ich am nächsten Tag bis mittags hätte schlafen können, weil keine Termine anstehen, hätte mich ein Unter-der-Woche-Abendtermin auch nicht weiter gestört.)

Es wurde also ein Donnerstag-Abend.

Durfte sich das Geburtstagskind wenigstens die Location aussuchen? 
Ja, sie durfte.
Mit Einschränkungen - um des innergemeinschaftlichen Friedens willen.
Nicht des lieben Geldes wegen (auch ich habe gerne eine Portion auf dem Teller, die sich nicht ungekehrt proportional zum dafür verrechneten Preis verhält), sondern weil der Patriarch wenig von ausgefallenem Essen hält. Und Familienessen auch bedeutet, dass es allen schmecken soll - so seh’ ich das wenigstens.

Also hab ich mir „Alexanders Küchenmeisterei“ als Ort des Geschehens gewünscht.
(für kulinarisch Interessierte: http://www.kuechenmeisterei.at/)

Gute zeitgemäße österreichische Küche, exzellent gekocht und von liebenswertem Servicepersonal gereicht.
Außerdem wollte ich einmal anderwärts speisen, nicht immer nur in unserem üblichen „Familien-Feier-Stammlokal“ mit seiner immer gleichen - wenn auch dicken - Speisekarte.

Es begann damit, dass „die Drei“ mich gemeinsam mit der Motorkutsche vom Ort meiner Werktätigkeit abholen. Nicht um 17 Uhr, wie eigentlich ausgemacht (der Tisch im 14. Bezirk war für 18 Uhr bestellt, mein Arbeitsort ist der 21. Bezirk, Stadtgrenze. Ein „breiter Weg“ also, wie der Wiener zu sagen pflegt), sondern erst gegen 17:30.
Ein wenig Stress war also vorprogrammiert.
(Unwichtig zu erwähnen, dass die Wahl des Zeitpunktes auch nicht die meine war. Meine Eltern essen ungern spät. Ich habe schon zeitweilig die Vermutung gehegt, dass sie zum Hauptabendprogramm gerne wieder zuhause wären.)

Die gewählte Route war - gelinde gesagt - suboptimal (soll ja mal vorkommen. Ist weiter kein Drama, könnte man meinen).
Der Pilot will dem stark frequentierten Gürtel ausweichen. Hehre Absichten, wahrlich.
Aber die Umfahrung ist leider mit ungünstigen Ampelschaltungen gesegnet.
Die Stimmung im Fahrzeug ist da bereits - blumig formuliert - prickelnd.
Als dann noch eins der Handys bimmelt und der singende Quälgeist nicht rasch genug gefunden und zum Schweigen gebracht werden kann (zwei der Insassen verwenden denselben Klingelton), ist die allgemeine Laune schon spritzig.

Dann noch: Parkplatzsuche vor dem Lokal.
Keine Lücke zu finden, dafür jede Menge Einfahrten. Noch eine Runde fahren, oder den Parkplatz in 5min Gehweite wählen? Wieder gibt es Unstimmigkeiten im Team und die Temperatur im Inneren des Wagens steigt kurz an.

Endlich! Im Lokal, an unserem reservierten Platz, die Getränke sind gewählt und auch im Nu gebracht. Erleichtertes Durchatmen.

Zeit für allgemeine Entspannung vor dem Essen, oder?
Weit gefehlt!
Wieder meldet sich die moderne Geißel der Menschheit. Diesmal im doppelten Sinne, denn es ist das Handy meiner Mutter. Und es meldet ein SMS.
Wer stört? Sie haben es sicher schon erraten: Die Alarmanlage!

Was jetzt folgt, ist reif fürs Kabarett, wenn es nicht eigentlich traurig wäre:

Allgemeines Handy-Zücken und SMS checken (mich funkt das Ding netterweise nicht an, da ich das einzige Familienmitglied bin, dass A) in Wien wohnt und daher B) nicht motorisiert ist.)
Die akute Frage aller Fragen: Was ist zu tun?
Familienvorstand: Anruf beim Nachbarn (gute Idee!)
Nachbar meldet: Alles ok. Alles ruhig.
Danach die plötzliche Erkenntnis: nicht das Haus meiner Eltern hat einen Furz gemeldet (’tschuldigung für den Ausdruck), sondern im Haus meiner Schwester hat sich was bewegt. 
(was „Was“ wird übrigens in Kürze das Hauptthema des Abends werden).

Der liebe Nachbar wird zum Haus meiner Schwester  - ist nicht weit weg - gelotst, um dort Nachschau zu halten.
Inzwischen versuchen die beiden Damen am Tisch den elektrisch-elektronischen Wachhund mittels eines Anrufs auf irgendeiner Servicenummer (mit Sprachmenü) abzustellen.
In der Fantasie der Anwesenden Hausbewohner (das sind: alle am Tisch minus meiner Wenigkeit) heult nämlich eine Sirene seit Minuten ununterbrochen und kündet von einem Fliegerangriff, der letztlich ja doch nicht erfolgen wird.

Wie das so ist mit Servicenummern (und oft auch mit Sprachmenüs) - am anderen Ende der Leitung ist nix Brauchbares zu vernehmen, und der Versuch der Fernabschaltung muss somit ohne Erfolg abgebrochen werden.

Was jetzt?
Sofortiger Aufbruch, meint das Familienoberhaupt.
(Fahrzeit bis zum Ort der vermeintlichen Katastrophe mindestens 45min. Sinnlose Sache also, nebstbei bemerkt.)

Inzwischen kann meine Schwester eine ihrer Nachbarinnen erreichen, und die meldet: Ja, ich hab was gehört. Dachte, es ist eine Auto-Alarmanlage. Nein, hab nicht nachgesehen, (ob) was los ist.
(Wer tut das auch, 'mal so ganz unter uns gesagt?? Als ich es wage, etwas in der Art anzumerken, ernte ich scharfen Gegenwind.)
Die Nachbarin begibt sich nach draußen, trifft dort den entsendeten Nachbarn meiner Eltern und gemeinsam stellen die beiden fest, dass von außen betrachtet kein widerrechtlicher Eintritt in die Liegenschaft erfolgt ist und nur das gelbe Warnlicht an ist.

Keine Sirene mehr (die gibt nach wenigen Minuten ohnehin auf. Zum Wohle der Nachbarn). Fliegerangriff abgebrochen.

Nur die das Leuchtfeuer der UFO-Landebahn feuert unentwegt Lichtsignale in die Dunkelheit.
(... E.T. nach Hause telefonieren ...)

Mich hat inzwischen kein UFO abgeholt. Schade eigentlich.
Obwohl ich mich gefühlt habe, als wäre ich ein Alien. Nicht zugehörig, eigentlich nur peripher anwesend. Auf jeden Fall aber absolut belanglos.
Die allgemeine Aufregung weder teilend (noch teilen könnend) noch verstehend.
In Summe komplett ignoriert.
Familienseitig wenigstens.
Die nette Dame vom Service des Lokals wiederum war aufmerksam und hat mir auf meinen Wunsch hin zweimal mein Weinglas nachgeschenkt.

Eine halbe Flasche wunderbarer Zweigelt auf nüchternen Magen war alle Zuwendung und innere Erwärmung, die mir in dieser Zeit zuteil geworden ist.

Der Rest des Abends war fortan dem Thema Alarmanlage gewidmet.
Was einem der Techniker verschwiegen hat, was den Bewegungsmelder dieser Gottverdammten Alarmanlage wohl dazu veranlasst haben könnte, zu rülpsen und wie man solchen Pupsern zukünftig vorbeugen müsse. Etc, pp.

Hat sich jemand in der Zwischenzeit daran erinnert, warum und wozu wir uns eigentlich zusammen an diesem (für uns) etwas abgelegenen Ort begeben haben?
Hat jemand gefragt, wie es mir geht im Allgemeinen?
Wie mein Tag so war? Wie es mir im Job geht?

Nein

Irgendwelche anderen Interessensbekundungen das Geburtstagskind (zur allgemeinen Erinnerung: mich!) betreffend?

Nein.

Ich war nur zufällig zur selben Zeit am selben Tisch.


In dieser einsamen, losgelösten Zeit inmitten meiner engsten Familie

A)  habe ich mich weit weg gewünscht

B)   habe ich überlegt, ob es auffallen würde, wenn ich einfach gehen würde (wohl nicht sofort)

C)   war ich kurz davor, es (Variante B) einfach zu tun

D)  habe ich beschlossen, fortan an keinem auswärtigen Familienessen zu meinem Geburtstag mehr teilzunehmen.

Und als Fazit:
Im nächsten Leben werde ich eine Alarmanlage, denn als solche erfährt man wenigstens Beachtung.

„... and is in the State of Grace.“